Projekt

Der Hintergrund

Weltweit waren 2011 etwa 42,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Vier Fünftel dieser Menschen flüchten innerhalb des Heimatlandes oder ins Nachbarland. Einige schaffen es unter Lebensgefahr nach Europa. Seit 1993 sind beim Versuch die europäischen Grenzen zu überwinden, über 16.000 Menschen zu Tode gekommen. Von denen, die es nach Europa schaffen, kommen wenige nach Österreich, noch weniger nach Tirol.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind nicht europäische Staaten und schon gar nicht Österreich die Hauptaufnahmeländer von Flüchtlingen. Pakistan, Syrien und der Iran beherbergen zusammen rund 4,5 Millionen Flüchtlinge. Zum Vergleich: In ganz Europa sind es 1,5 Millionen Menschen. (Quelle: UNHCR)

In Österreich wurden im Jahr 2011 knapp 14.500 Anträge auf Asyl gestellt und im gleichen Zeitraum lediglich 3.572 bewilligt. Die Menschen, über deren Antrag negativ beschieden wurde, werden entweder abgeschoben oder leben als illegalisierte Flüchtlinge weiter in Österreich, so auch in Tirol und Innsbruck.

Tirol hat sich nach dem Asylgipfel Ende Oktober 2012 verpflichtet, zusätzliche Flüchtlinge aus Traiskirchen aufzunehmen. Bislang hatte Tirol die zwischen den Bundesländern vereinbarte Aufnahmequote lediglich zu 85% erfüllt. Nun wurde vereinbart, bis Ende November weitere 110 Menschen in Tirol aufzunehmen. Dafür wurde unter anderem ein Wohnhaus in Telfs adaptiert, das 45 Flüchtlinge aufnehmen soll. Insgesamt werden sich dann 1490 Flüchtlinge in der Grundversorgung in Tirol befinden. Viele davon in Innsbruck.

Die Menschen die nach Tirol und Innsbruck kommen, erhalten hier nicht all die Unterstützung, die ihnen zusteht und kommen in seltenen Fällen zu dem wenigen Recht, das sie noch haben.

Die Bedingungen des neuen Asyl- und Fremdenrechts, das restriktivste, das Österreich in der 2. Republik jemals hatte, erschweren ihre Lage zusehends.

Das Projekt

FREIRAD 105.9 will diesen Menschen gemeinsam mit ProjektpartnerInnen aus den Bereichen Flucht, Migration und Asyl Unterstützung anbieten. Es werden 10 Radiosendungen in jeweils fünf verschiedenen Sprachen produziert, in denen die Flüchtlinge, die in Innsbruck untergebracht sind, die wichtigsten Infos für ihren Aufenthalt und im optimalen Fall für ihr dauerhaftes Dableiben erhalten sollen.

Jeweils etwa zehn Minuten der Sendung sind in jeder der fünf Sprachen zu hören. Anderssprachige Interviews mit ExpertInnen werden mit Voice-over in die jeweilige Sprache übersetzt. Den Abschluss der Sendung bildet der deutschsprachige Teil mit der Absicht, auch die ZuhörerInnen aus Innsbruck für das Thema zu sensibilisieren. Als Sprachen sind jene angedacht, die statistisch die meisten Flüchtlinge sprechen: Russisch, Türkisch, BKS, Englisch und Farsi.

FREIRAD 105.9 arbeitet schon seit Sendestart 2002 eng mit fremdsprachigen SendungsmacherInnen zusammen. Etwa ein Drittel des Gesamtprogramms besteht zur Zeit aus fremd- oder mehrsprachigen Sendungen. So werden bereits verschiedenste Communities in Innsbruck in 14 Sprachen mit lokalen Informationen versorgt. Viele der SendungsmacherInnen haben die Erfahrung einen Asylantrag zu stellen und auch die, endlos auf Bescheide zu warten, selbst erlebt oder stecken noch im Verfahren fest. Einige von ihnen werden uns mit ihren Erfahrungen im Projekt aktiv unterstützen und dem Redaktionsteam, das die Sendungen gestalten wird, angehören. Das Redaktionsteam wird aus 8 Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen bestehen. Dabei werden Frauen besondere Berücksichtigung finden.

Zu Projektstart werden wir der Redaktionsgruppe spezifische Schulungen anbieten, wie
Aufnahmetechniken, Mikrophonieren, Studiotechnik, Audioschnitt, Interviewtechniken, Recherche, journalistische Formate im Radio, Beitragsgestaltung, Schreiben fürs Hören, Moderation,Medien- und UrheberInnenrecht, Gendergerechtigkeit, Transkulturalität und Mehrsprachigkeit im Radio.

Wir bleiben wird im Rahmen der stadt_potenziale 2013 von der Kunst- und Kulturinnovationsförderung der Stadt Innsbruck gefördert. Die Projektpräsentation wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung unterstützt.

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